Die magische 4-Stunden-Marke - Die offene Rechnung mit dem Berliner Marathon


2 Minuten Lesezeit
01 Oct
01Oct

#gänsehautmomente, wenn ich an Berliner Marathon 2019 zurück denke.

Mein 4. Marathon stand an und ich hatte bis zum Start keinen Plan, welches Tempo ich laufen soll bzw. bis zum Tag davor keine Ahnung ob ich überhaupt starten sollte. 🙈 

Wochenlang plagten mich schon Hüftschmerzen, bei denen auch die verordnete Physiotherapie-Behandlung nicht richtig half. Aber dann gab es da diesen Physio auf der Marathonmesse, der mich nur einen Tag vorher behandelte und plötzlich waren alle Schmerzen weg.

Ich entschied für einen Start, jetzt war also nur noch die Frage mit dem Tempo übrig, sollte ich von Anfang an alles riskieren und versuchen die magische 4h Marke zu knacken oder sollte ich mein Tempo drosseln, gemütlich laufen, kein Risiko eingehen und sicher ins Ziel laufen? Wie hättest du dich entschieden? Jeder hätte wahrscheinlich Variante 2 gewählt, aber ich tat es nicht! 2018 bin ich hier meinen ersten Marathon gelaufen und wollte unbedingt die unter 4 Stunden in Ziel laufen, die Umstände ergaben sich aber anders und so genoss ich meinen ersten Marathon in einer gemütlichen Pace. Ich hatte also mit Berlin seit 365 Tagen eine Rechnung offen und diese wollte ich endlich begleichen. Ich wollte einfach nur Laufen und gucken, was geht. Und das tat ich auch. 

Nachdem ich die Startlinie gemeinsam mit Lucas und unserer Projektgruppe #marathonunter4h überquerte, lief ich los. Bereits hinter der Siegessäule merkte ich, dass heute mein Tag war und die Anderen schon hinter mit waren, ich drehte mich zu ihnen um und verabschiedete mich gedanklich von Ihnen und lief mein Rennen, ein Rennen, dass emotionaler nicht sein kann!


Es war mein 1. Marathon den ich alleine lief, nur ich, mein Kopf, meine Beine und der Regen...


KM 1-15 vergingen wie im Flug...


Ab KM 15 freute ich mich auf die HM-Marke, denn hier warteten Viola und Jessi auf mich. Voller Freude lief ich an ihnen vorbei! Der Regen interessiert mich null, denn ich hatte hier schon 6 Minuten Puffer, aber natürlich wusste ich, dass erst die Hälfte geschafft war und noch alles passieren konnte. Aber diese negativen Gedanke blendete ich aus, denn mir ging es gut und ich hatte keine Schmerzen!🤩

Meine nächsten Ziele waren die KM-Marken 25, 30 und 35! Das Publikum war einfach großartig, im strömenden Regen standen sie da und feuerten uns an und der Regen hörte einfach nicht auf, aber egal, nass waren wir eh!Und dann kam KM 35.... 

Nach der KM Marke 35 war alles anders. Die letzten 7 KM gab es einen inneren Kampf zwischen meinen Oberschenkeln, die nicht mehr wollten und meinem Kopf, der schrie "Lauf jetzt einfach weiter und hol dir die Medaille". Die Kraft ließ nach, meine Reserven waren aufgebraucht. Ich wollte nur noch ins Ziel! Mein Kopf rechnete, 7 Minuten Puffer waren es bei KM 32, dass reicht, also reiß dich zusammen und Lauf!
Mein nächstes Ziel KM 39, hier an der Mall warteten alle auf mich. Mit betörenden Lärm wurde ich schon von der besten Crew der Welt erwartet. Ich genoss den kurzen Moment, sammelte Kraft und meine Mutti ein und lief mir ihr zusammen weiter.😍

Nur noch knapp 3 KM und ich bin nicht mehr alleine. Es zog sich schleppend und dann bei KM 40,5 eine bekannte Stimme aus dem Hintergrund. Meine bessere Hälfte Lucas ❤... Hatte er mich doch tatsächlich wieder eingeholt. Ich wollte nicht mehr laufen, wann kam denn endlich das Ziel. Ich musste meinen Freund laufen lassen, hatte keine Kraft mehr mitzuhalten. Mein Kopf war hin und her gerissen, warum zog er mich nicht mit, warum blieb er nicht bei mir und warum mach ich mir 1 KM vor dem Ziel noch solche Gedanken...
Also Kopf aus und weiter ging es Richtung Ziel. Kurz vorm Brandenburger Tor war ein Läufer zusammengebrochen, er bekam schon Hilfe, konnte aber trotzdem keinen Meter mehr gehen. Was muss das wohl für ein schreckliches Gefühl sein...
Ich lief weiter und dann sah ich es, das Ziel. Keiner konnte mich mehr aufhalten. Es war mein Rennen!
Gemeinsam Hand in Hand lief ich mit meiner Mutti über die magische Linie.

Es war geschafft.


Ich war so glücklich, so froh und da kamen sie die Freudentränen. Ich musste nicht auf die Uhr schauen, denn ich wusste auch so, ich habe die 4h-Marke geknackt. Ein riesiger Fels löste sich in meinem Herzen und der Druck war endlich raus. Ein Gefühl, dass man einfach nicht beschreiben kann. Ich war nach wochenlangen Schmerzen in der Hüfte einen Marathon gelaufen, hatte keine Schmerzen und hatte meinen Traum verwirklicht und ich hatte mein Bestzeit um ganze 30 Minuten verbessert! 

Bähmmm 🤩

Dieses Gefühl nimmt mir keiner mehr!❤

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